Inklusive Kinder- und Jugendhilfe: Meilenstein oder Steinbruch?
Die inklusive Kinder- und Jugendhilfe wird seit Jahrzehnten diskutiert und steht nun vor einem entscheidenden Moment: Wird sie gesetzlich novelliert oder verbleibt sie weiterhin in der Schwebe?
Ein inklusives SGB VIII würde bedeuten, dass erstmals alle Kinder und Jugendlichen – mit und ohne Behinderung – Leistungen aus einer Hand erhalten. Dies könnte einen Wendepunkt markieren: einen Meilenstein auf dem Weg zu echter Teilhabe oder einen Reformversuch, der an ungelösten Spannungen scheitert. Der bundesweite Fachtag beleuchtet den Gesetzentwurf praxisnah und kritisch, um Orientierung und fachpolitische Einordnung zu ermöglichen.
Im Fokus stehen zentrale Klärungsfragen: Wie viel Inklusion findet sich tatsächlich im Entwurf? Ist ein einheitlicher Leistungstatbestand realistisch oder führt die Länderöffnungsklausel zu Fragmentierung und föderaler Zersplitterung? Welche Bedeutung haben das Leistungserbringungsrecht und die Schiedsstellen? Die Perspektive der Eingliederungshilfe verdeutlicht dabei systemische Schnittstellen und Übergangsrisiken. Adressat*innen einer inklusiven Kinder- und Jugendhilfe bringen ihre Sichtweisen und Erwartungen ein.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Funktionsfähigkeit der Kinder- und Jugendhilfe und ihres Systems: Welche Schnittstellen zu Schule und BTHG sind unerlässlich und welche strukturell tragfähig? Wie beeinflussen Perspektiven junger Menschen mit Behinderung Selbstorganisation und Teilhabe? Präventive Leistungen sowie die Stärkung der Infrastruktur werden diskutiert – verbunden mit einem Ausblick auf die Umsetzung.
Vielfältige Perspektiven ermöglichen einen tiefen Einblick in die Weichenstellungen für eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe und laden zum gemeinsamen Austausch ein.