Kooperation in der Kinder- und Jugendhilfe. Junge Menschen und Eltern sowie deren Selbstvertretungen im Blick
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Kooperation in der Kinder- und Jugendhilfe. Junge Menschen und Eltern sowie deren Selbstvertretungen im Blick
Kooperation ist ein zentrales, zugleich jedoch unscharfes Handlungsprinzip in der Kinder- und Jugendhilfe. Es gehört – unbestritten – zu den Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe, untereinander und mit anderen Akteur*innen, etwa der Schule, dem Gesundheitswesen oder der Eingliederungshilfe, zu kooperieren. In Praxis, Fachdebatten und rechtlichen Regelungen werden aber sehr unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit unter diesem Begriff gefasst.
Kooperation ist dabei weder Selbstzweck noch Selbstläufer. Sie dient – als oberste Richtschnur – der Verwirklichung des Rechts von jungen Menschen auf Förderung ihrer Entwicklung zu einer eigenständigen Persönlichkeit. Unterschiedliche institutionelle Logiken, rechtliche Rahmenbedingungen oder fachliche Perspektiven stellen dabei besondere Herausforderungen dar.
Um Hilfen bedarfsorientiert(er) zu gestalten, erfordert Kooperation eine beteiligungsorientierte Ausgestaltung, die die Perspektiven junger Menschen und Eltern ernsthaft einbezieht. Fachkräfte sind gefordert, junge Menschen, Eltern und ihre Selbstvertretungen in Hilfe- und Strukturprozesse einzubinden, Schnittstellen aktiv zu gestalten, Kommunikation zu strukturieren und tragfähige Absprachen zu entwickeln.
Die Weiterentwicklung kooperativer Arbeitsformen ist daher ein fachlicher und struktureller Auftrag. In Zeiten wachsender Komplexität und knapper Ressourcen kommt es besonders darauf an, Kooperationen nach fachlichen Standards gezielt zu entwickeln und zu pflegen.
In diesem Schwerpunkt nähern wir uns dem Themenfeld aus unterschiedlichen Perspektiven und legen den Fokus auf eine rechtebasierte Gestaltung professioneller Kooperationsbeziehungen, die insbesondere die Perspektiven von Adressat*innen und deren Selbstorganisationen reflektiert.
Der Beitrag von Katharina Lohse und Stefan Wedermann widmet sich dem Thema Selbstvertretungen als Kooperationspartner*innen aus der Perspektive des Rechts und fachlicher Entwicklungen. Es geht dabei auch um Voraussetzungen einer partizipativen Kooperation im Alltag in der Kinder- und Jugendhilfe. In zwei Interviews schildern Karn Born, Vorsitzender von Careleaver e. V., und eine Mutter ihre Erfahrungen mit Kooperationen in der Kinder- und Jugendhilfe. Beide thematisieren Hilfeplangespräche, Machtverhältnisse und die Beteiligung junger Menschen und Eltern. Elsa Thurm und Björn Redmann verdeutlichen, dass Selbstorganisationen in den vergangenen Jahren mehr Aufmerksamkeit in der Kinder- und Jugendhilfe erfahren haben und diese gesetzlich verankert sowie im Fachdiskurs mitsprechen können. Ihr Beitrag will zeigen, was notwendig ist, um junge Menschen und Eltern nachhaltig in bestehende Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe einbinden zu können. Birgit Averbeck, Peter Schruth und Renée Drossard führen in ihren Beiträgen den Blick auf die professionelle Praxis: Unter welchen Bedingungen kann Kooperation regelhaft von den professionellen Akteur*innen als Entlastung erlebt werden, anstatt sie nur im Krisenfall und als „Problemtalk“ zu nutzen? Wie können Kooperationen konkrete Lösungen auf aktuelle Herausforderungen junger Menschen und ihrer Familien bieten? Und welche Strukturen und Haltungen sind hilfreich, herausfordernde Dynamiken gut zu steuern und damit Kooperationen im Prozess weiterzuentwickeln? Henriette Katzenstein, Maksim Hübenthal und Ulrike Urban-Stahl analysieren in ihrem Beitrag Kooperationsprozesse bei Familien mit psychisch erkrankten Müttern aus Sicht von Jugendamtsfachkräften. Er arbeitet Charakteristika des Blicks auf die Kooperation innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe und Begrenzungen der systemübergreifenden Verzahnung heraus. Benjamin Landes ergänzt den Schwerpunkt mit einem Diskussionsbeitrag zur Frage, warum institutionelle Kooperationen Jugendämter in Phasen des Fachkräftemangels teilweise wirksam stützen, teilweise jedoch kaum entlastende Effekte entfalten.
Stefan Wedermann, Katharina Lohse, Henriette Katzenstein und Birgit Averbeck
Aus dem Inhalt
Thema
Kooperation in der Kinder- und Jugendhilfe. Junge Menschen und Eltern sowie deren Selbstvertretungen im Blick
Katharina Lohse, Stefan Wedermann
Partizipative Kooperationen gestalten. Selbstvertretungen im Kooperationsgefüge der Kinder- und Jugendhilfe
Katharina Lohse, Stefan Wedermann
„Nur weil junge Menschen da sind, heißt das nicht, dass sie gehört werden.“
Karn Born
„Zusammenarbeit heißt gegen mich arbeiten.“ Perspektiven einer Mutter auf die Hilfeplanung
Interview mit Frau Y.
Dresdener Konzept: Selbstvertretungen in Entscheidungsprozesse einbinden
Elsa Thurm, Björn Redmann
Kooperation organisieren und gestalten: Der Hub gegen Wohnungsnot junger Erwachsener
Peter Schruth
Überregionale Kooperation: Projekt ARIADNE
Renée Drossard
Systemisches Kooperationslabor als Methode
Birgit Averbeck
Kooperation in Hilfefällen psychisch erkrankter Mütter aus Sicht der Jugendämter
Henriette Katzenstein, Maksim Hübenthal, Ulrike Urban-Stahl
Internationales
‘Rethinking care: nothing about us without us’ – Einblicke in einen internationalen Fachkräfteaustausch zu jungen Menschen in herausfordernden Hilfekonstellationen
Nicole Rosenbauer
Diskussion
„Es funktioniert nicht auf Ansage…“ – Institutionelle Kooperation im Kontext des Fachkräftemangels
Benjamin Landes
Weiter machen! – Selbstvertretung im Kontext stationärer Hilfen
Laurette Rasch
Rechtsfragen
Unvereinbarkeit von Jugendhilfe (SGB VIII) und freiheitseinschränkenden Maßnahmen nach § 1631b
BGB
Peter Schruth