Machbarkeitsstudie
Der Text behandelt die besondere Herausforderung in Berlin als Großstadt, mit jungen wohnungslosen oder von Wohnungslosigkeit bedrohten Erwachsenen umzugehen, die sich häufig in existenziellen Krisen befinden und diese meist nicht alleine bewältigen können. Die Schwere und Problematik solcher Krisen hängt nicht nur von der individuellen Wohnsituation ab – etwa von schlechten Wohnverhältnissen, drohendem Wohnungsverlust, Unterbringung in Einrichtungen oder dem Leben auf der Straße. Sie steht auch im Zusammenhang mit Entwicklungen auf dem Berliner Wohnungsmarkt sowie mit den sozialstaatlichen Hilfsangeboten und deren Wirksamkeit.
In den letzten Jahren sind zwei Impulse für neue Konzepte im Umgang mit Jugendwohnungslosigkeit entstanden:
- Debatten innerhalb der Straßensozialarbeit,
- sowie politische Diskussionen im Rahmen des Gipfels gegen Jugendgewalt 2023.
In diesem Zusammenhang entstand bei Gangway e.V., einem Träger der Straßensozialarbeit in Berlin, der Begriff der „Jugendwohnagentur“ (JWA). Gangway erreicht mit aufsuchender Jugendarbeit etwa 4.000 junge Menschen pro Jahr und beschäftigte sich intensiv mit der Wohnraumproblematik junger Erwachsener, unter anderem durch das Projekt social B&B sowie durch sogenannte Vier-Seiten-Gespräche mit Politik, Wohnungswirtschaft und Wissenschaft.
Hintergrund dieser Initiativen war die Erfahrung, dass Versuche, die institutionelle Jugendhilfe auf das wachsende und oft verdeckte Problem der Wohnungslosigkeit junger Erwachsener aufmerksam zu machen, weitgehend erfolglos blieben. Deshalb entstand die Idee, neue Wege zu suchen, um Zugang zum stark umkämpften Berliner Wohnungsmarkt zu schaffen und junge Menschen mit Vermieter*innen zusammenzubringen. Die Grundannahme dabei ist, dass eine eigene Wohnung eine zentrale Voraussetzung für Stabilität, Selbstwirksamkeit und persönliche Entwicklung junger Erwachsener darstellt. In der Machbarkeitsstudie wird die Idee der Jugendwohnagentur detailliert erörtert.