Streifzüge durch Europa

Sie können diese Ausgabe im Online-Shop unseres Partners beziehen.

Zum Online-Shop
ForE 3-2015

„Streifzüge durch Europa“ haben wir den Schwerpunkt dieser Ausgabe überschrieben, um mehr oder weniger geht es auch nicht. Die Idee zu diesem Schwerpunkt resultiert aus den Länderberichten, die wir in den FICE -Verbandsratssitzungen (www.fice-inter.net) gehört haben, und wir haben schlicht gedacht, dass es für Leser_innen des FORE ebenso interessant sein könnte wie für uns, Einiges von den derzeit in anderen europäischen Ländern stattfindenden Entwicklungen mitzubekommen. Dies vor allem, weil es doch – jenseits der bestehenden Unterschiede – gemeinsame Tendenzen und Trends gibt, die anzuschauen sich lohnen und die man insgesamt unter dem vielleicht euphemistischen Stichwort der „Modernisierung“ der Kinder- und Jugendhilfesysteme zusammenfassen kann. Wir haben Kolleg_innen aus den Niederlanden, Finnland, Österreich und Ungarn gebeten, für uns über die momentan wichtigsten Trends zu schreiben.

Die Auswahl ist nicht ganz willkürlich, denn die Niederlande waren einerseits, für „unsere Generation“ zumindest, immer ein gewisses Vorbild und Trendsetter, andererseits aber auch Vorreiter bei den jüngeren sog. „Modernisierungstrends“ wie z.B. der neuen Steuerung (mit dem `Tilburger Modell` begann ja bekanntermaßen diese Diskussion – aufgenommen durch die KGSt – auch bei uns). Finnland, weil es das Land ist, das noch am längsten am „Sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaatsmodell“ festgehalten hat, und Ungarn, weil es sowohl traditionell enge Bindungen zur ungarischen FICE gibt, als auch weil es sich hier um ein ehemaliges Ostblockland handelt, dass sich trotz „moderner Gesetzgebung“ immer noch in der – bezogen auf Europa – nachholenden Modernisierung befindet. Österreich schließlich - oder besser: Wien, denn Wien unterscheidet sich deutlich von den anderen Bundesländern–, weil es unser direkter Nachbar ist und der nächste FICE -Weltkongress 2016 dort stattfindet.

Nicht näher eingegangen wird in diesem Europa-Schwerpunkt leider auf das Thema (junge oder unbegleitete minderjährige) Flüchtlinge, obwohl es das Thema ist, das derzeit die Schlagzeilen beherrscht und das politische Europa umtreibt hinsichtlich der Fragen, wie man die Flüchtlinge möglichst, wenngleich menschenrechtswidrig, fern der „Festung Europa“ hält, sie ggfs. verteilt, mit ihnen umgehen will oder sollte. Das Thema wird aus der deutschen Sicht in einem zweiten Schwerpunkt des aktuellen Heftes im Diskussionsteil aufgegriffen.

Die Chiffren bzw. Begrifflichkeiten unter denen in allen Ländern derzeit die Veränderungen vorangetrieben werden lauten: Umbau des Sozialstaats – Kommunalisierung der Kinder- und Jugendhilfe – Kinderschutz, letzterer i.d.R. zusammengehend mit der Betonung der (vorgeblichen) Stärkung von Kinderrechten. Die Zusammenhänge zwischen EU-Politik und der Ausformung der Kinder- und Jugendhilfe in den verschiedenen europäischen Ländern skizzieren eingangs Josef Koch und Friedhelm Peters. Dabei werden durchaus unterschiedliche Konnotationen mit diesen Entwicklungen verbunden. Während die niederländischen Autoren (Piet Overduium/Jan Hesselink) diesen Prozess, der stark auf „Aktivierung“ setzt, neutral bis positiv bewerten, sehen die finnischen Kolleg_innen (Susanna Hoikkala/Martti Kemppainen) den inszenierten Wettbewerb und die Kommunalisierung der Kinder- und Jugendhilfe einschließlich der Betonung des Kinderschutzes eher als Durchsetzung neo-liberaler Politik und Teil des weiteren Abbaus des finnischen Sozialstaats. In Ungarn (Andrea Rácz) scheint die Entwicklung dagegen zunächst zu einer stärkeren Verantwortungsübernahme, vor allem auch Finanzierung durch den Staat zu führen nebst einer Modernisierung durch Differenzierung der Hilfeangebote. Die Unterfinanzierung der Jugendhilfe trotz vergleichsweiser moderner Gesetzeslage galt bislang (Laszlo Csokay: Neues Jugendhilfegesetz in Ungarn, in ForE 4 (1997), S. 201f.) neben der Diskriminierung von Romakindern und -familien als das Hauptproblem der ungarischen Jugendhilfe. Der Beitrag zur Geschichte der Kinder- und Jugendhilfe in Wien (Bettina Terp), die Geschichte der Wiener Jugendbehörde und ihrer Ausrichtung, zeigt schließlich die Reformschritte und –konjunkturen zwischen spezifischen lokalen Rahmungen und europäischen Trends vor allem in der Heimerziehung.

Josef Koch/ Friedhelm Peters

 

 

Aus dem Inhalt

Bernhard Eibeck: Streik im Sozial- und Erziehungsdienst

Josef Koch, Friedhelm Peters: Europäische Veränderungsdynamiken in den Systemen der Kinder- und Jugendhilfe

Piet Overduin, Jan Hesselink: Die niederländische Jugendhilfe im Wandel
Susanna Hoikkala, Martti Kemppainen: Aktuelle Entwicklungen der finnischen Kinder- und Jugendhilfe

Andrea Rácz: Die Situation der Kinder- und Jugendhilfe in Ungarn

Bettina Terp: Kinder- und Jugendhilfe in Wien ‒  Eine Organisation im Wandel der Zeit

Beiträge von Norbert Struck, Manfred Walhorn, Birgit Zeller, Uwe Lübking und Thomas Berthold: Zur Diskussion: Geplante bundesweite Umverteilung von umF

Norbert Struck: Beschluss des OVG NRW vom 21.01.2015 (AZ: 12 B 1304/14) Kostenübernahme nach § 39 SGB VIII aufgrund eines persönlichen Bedarfs

Erscheinungsjahr
2015
Ausgabe
3
Sammelband
Nein
Ausgabe Jahr
2015