Materialien zur Heimerziehung - Ausgabe 04 -1991

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Die Idee, geboren aus der Heimkampagne und der Kritik an der „totalen Institution" Heim, war verblüffend einfach: Warum nicht die Kinder aus der Heimgruppe mit nach Hause nehmen, die Gruppe auflösen und den Kindern damit einen nicht stigmatisierenden Lebensort zu bieten jenseits von Schichtdienst und Hausordnung, der aber gleichzeitig die Erzieher in punkto Bezahlung und Beratung nicht , im Regen' stehen läßt? Diese Idee einer — je nach Standort — „ Heimerziehung in privaten Haushalten" oder „ professionellen Familienpflege" kann bald auf eine zwanzigjährige Praxiserfahrung zurückblicken. Was wissen wir heute über die Fremdunterbringung
in Erziehungsstellen (oder: heilpädagogischen bzw. Sonder-Pflegestellen)? Wie sind diese Hilfen zu beurteilen, die — zumindest auf dem Papier — in faszinierender Weise die Stärken der Heimerziehung (z. B. durch Beratung oder Supervision eingebundenes und unterstütztes Fachpersonal) mit den Stärken der Familienpflege (z. B. Überschaubarkeit, Konstanz) verbinden? Im Unterschied zu anderen , modernen' Erziehungshilfen wie z. B. den Tagesgruppen oder der Sozialpädagogischen Familienhilfe wurde die Fremdunterbringung in Erziehungsstellen bislang in der Fachöffentlichkeit wenig thematisiert. Vielleicht liegt die diskursive Enthaltsamkeit daran, daß diese

Erziehungshilfen zwischen Heim und Pflegefamilie

eben gerade ,zwischen allen Stühlen' sitzen — zu teuer und zu sehr professionalisiert für die Pflegekinderseite, zu billig und zu privat-abgeschieden für die Heimerziehung? Dieses Materialien-Heft will über die in der Praxis entstandenen vielfältigen Unterbringungsformen zwischen Heimerziehung und Vollzeitpflege informieren und den Anstoß geben zu einer verstärkten fachöffentlichen Diskussion der spezifischen Chancen und Grenzen von Erziehungsstellen. Innerhalb der IGfH hat sich übrigens im Anschluß an zwei Fachtagungen mittlerweile eine Bundes-Fachgruppe „ Erziehungsstellen" konstituiert. 

W. T.

Erscheinungsjahr
1991
Ausgabe
4
Sammelband
Nein