Arbeitsbedingungen in den Hilfen zur Erziehung

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ForE 2-2011

"Man sollte nie so viel zu tun haben, dass man zum Nachdenken keine Zeit mehr hat." (Georg Christoph Lichetenberg)

Dem Aphorismus von Lichtenberg folgend, widmen wir dieses ForE-Heft dem Nachdenken über das Arbeiten und die Arbeitsbedingungen in den Erziehungshilfen. Dabei fällt zunächst auf, dass immer mehr Menschen in den Feldern der Kinder- und Jugendhilfe arbeiten, allein rund 300.000 SozialarbeiterInnen sind im Bereich des Sozialwesens tätig. Immer mehr Heranwachsende mit ihren Familien benötigen zeitweilig Unterstützung und Hilfe und zwar durch ausgebildetes Personal (vgl. dazu auch Fuchs-Rechlin, Pothmann, Rauschenbach in diesem Heft). Am Ausbau der ambulanten Hilfen ist dies deutlich ablesbar. Soziale Arbeit und auch Erziehungshilfen erhalten immer mehr Aufgaben zugesprochen (siehe aktuell die Diskussionen um die frühkindliche Bildung, Beratungsaufgaben im Rahmen des geplanten Bundeskinderschutzgesetzes, die Debatte um die Zusammenführung von Behindertenhilfe und Jugendhilfe etc.). Die Arbeit in diesen Feldern wird für die Gesellschaft scheinbar wichtiger, gleichzeitig aber wächst der Druck auf die in diesen Feldern tätigen Menschen (vgl. die Zustandsbeschreibung von Peters und Spernau in diesem Heft). In nicht wenigen Feldern wird es schwierig werden, genügend junge Menschen für die Unterstützungsarbeit im Rahmen der Erziehungshilfen zu gewinnen. Prekäre Bezahlung und Teilzeitarbeitsverhältnisse vor allem in den ambulanten Hilfen zur Erziehung führen nicht wenige KollegInnen in die Nähe der ökonomischen Lebensverhältnisse der betreuten Familien. Im Bereich der frühkindlichen Bildung ergab eine Sonderauswertung des Mikrozensus 2008 im Auftrag der GEW, dass fast 20 Prozent der BerufsanfängerInnen mit einem Verdienst von unter 786,- Euro armutsgefährdet sind. Laut Studie haben nur 50% der ErzieherInnen und 30% der KinderpflegerInnen eine Vollzeitstelle.Nur 49 Prozent der Fachkräfte unter 25 Jahren sind unbefristet angestellt.

Das vorliegende Heft versucht diese durchaus widersprüchlichen Linien nachzuzeichnen und deutlicher zu konturieren. Dafür greifen als Rahmenbeitrag des Heftes Friedhelm Peters und Xenia Spernau Entwicklungen bezüglich des quantitativen und qualitativen Arbeitskräftebedarfs, der Nachfrage wie des Abbaus ebenso wie der Arbeitsbedingungen und Vergütungen auf und betten diese in wohlfahrtsstaatliche Schwerpunktsetzungen und Wandlungsprozesse ein.

Johannes Röttgen arbeitet anschließend im Gespräch mit Britta Große Jäger, Lisa Klein-Twickler, Martina Prinzmeier und Iris MacLean die sich verändernde Arbeitssituation der Fachkräfte in den ambulanten Erziehungshilfen heraus.

Während hier die Sicht der MitarbeiterInnen der Freien Träger entwickelt wird, nimmt Ute Meister sich den widersprüchlichen Anforderungen an die MitarbeiterInnen der öffentlichen Träger - und hier des ADS – an. Sie zeigt exemplarisch die Auswirkungen auf den Arbeitsalltag von gesellschaftlich-fachlichen Problemsetzungen wie Kinderschutz und Sozialraumorientierung.

Ulrike Eichinger wird noch konkreter, wenn sie sich mit den Auswirkungen der neuen tariflichen Entgelttabelle im Rahmen des Tarifvertrages des Öffentlichen Dienstes auseinandersetzt und sehr ambivalente Bewertungen und Auswirkungen auf die Arbeitssituation deutlich macht.

Kirsten Fuchs-Rechlin, Jens Pothmann und Thomas Rauschenbach steuern dann zur Abrundung der Diskussion empirische Befunde zur Personalsituation bei. Auf der Grundlage ausgewählter Ergebnisse der Kinder- und Jugendhilfestatistik und auf der Basis des Mikrozensus wird deutlich, dass ein vorläufiges Ende der Personalexpansion zu erwarten ist, allerdings bei einer sich fortsetzenden Professionalisierung der pädagogischen Fachkräfte. Zugleich sind in diesem Zusammenhang jedoch Hinweise zu beachten, die auf eine Verschlechterung der Beschäftigungsverhältnisse hindeuten.

Unser Themenheft zum Arbeiten in den Erziehungshilfen stimmt nachdenklich, gerade weil es angesichts der dargestellten Widersprüchlichkeiten und Ansprüchlichkeiten an die Arbeit der Fachkräfte speziell in den Erziehungshilfen für diese nicht einfacher wird, überhaupt noch auf schwieriger werdende Bedingungen des Aufwachsens von jungen Menschen und Familien mit Kraft und Engagement aufmerksam zu machen. Das aber ist mehr denn je auch gefragt, wenn um die öffentliche Wertschätzung Sozialer Arbeit und damit der Arbeitsverhältnisse - auch in Konkurrenz mit anderen Feldern – gerungen wird!

Josef Koch, Friedhelm Peters

 

Aus dem Inhalt

Norbert Struck:
Lieber erst Erfahrungen sammeln als die Praxis vorschnell mit Standards verrammeln!

Xenia Spernau, Friedhelm Peters:
Zwischen Mangel und Abbau, zukunftssicheren Arbeitsplätzen und Prekariat – Arbeitsbedingungen von sozialpädagogischen Fachkräften

Johannes Röttgen:
Arbeitsbedingungen in den ambulanten Hilfen

Ute Meister:
Rolle rückwärts – Veränderte Arbeitsbedingungen im ASD durch den § 8a?

Ulrike Eichinger:
Was „verdienen“ die Fachkräfte in den Erziehungshilfen? – Zum Status quo der Bezahlungspraxen

Kirsten Fuchs-Rechlin, Jens Pothmann, Thomas Rauschenbach:
Hilfen zur Erziehung als Beruf - Empirische Befunde zur Personalsituation im Überblick

Dirk Nüsken, Jörn Meyer:
“Celebrating the Courage to Care in a Diverse World“ – Eindrücke aus Südafrika

Kristin Witt:
„Daddy, hat Gott gewollt, dass du so anders bist…?“ Zur Thematik Elternschaft und geistige Behinderung

Paul Erdély:
Die Kooperation zwischen Jugendhilfe und Psychiatrie – Betrachtungen vor dem Hintergrund 25-jähriger Erfahrung

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Erscheinungsjahr
2011
Ausgabe
2
Sammelband
Nein
Ausgabe Jahr
2011