„Wie geht`s euch?“ Studie zur Lebenssituation queerer (junger) Menschen

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Regenbogen

Eine Studie der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) hat sich mit psychosozialer Gesundheit und Wohlbefinden von LSBTIQ* (die Buchstaben stehen dabei für lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, inter* und queere Menschen) befasst. […] Zu den Forschungsschwerpunkten der Untersuchung gehören zudem das Coming-out sowie Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen. […] Unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Timmermanns und Prof. Dr. Heino Stöver wurden Datensätze von 8700 LSBTIQ* aus Deutschland ausgewertet.

Die Auswertung ergab, dass gerade junge Menschen in der Generation U20 ihr Coming-out früher haben als ältere Jahrgänge: Die Mehrheit bereits im Alter zwischen 11 und 16 Jahren. Mehr als die Hälfte der Befragten berichtet von Diskriminierung an einem öffentlichen Ort, knapp die Hälfte im Bildungswesen, 37 % in der Familie, ungefähr jede fünfte Person im Gesundheitswesen und in der queeren Community. 30 % der Befragten machen körperliche und/oder sexuelle Gewalterfahrungen. Die erhöhte Belastung und Vulnerabilität gilt in noch stärkerem Maße für inter*, trans* und gender* diverse (junge) Menschen, die sich darüber hinaus mit Zugangsbarrieren bei der Gesundheitsversorgung konfrontiert sehen. Insgesamt konnten so in der Untersuchung zahlreiche Belege für Minderheitenstress von LSBTIQ* gefunden werden. Dieser geht aus Diskriminierungserfahrungen und queernegativen Einstellungen hervor und ist verantwortlich für die höhere gesundheitliche Belastung, die in körperlichen, psychischen und chronischen Erkrankungen, Substanzkonsum oder Suizid münden kann (vgl. Kurzzusammenfassung).

Die Herausgeber*innen der Studie leiten hieraus einen deutlichen Auftrag für Schulen und offene Jugendarbeit ab, sexuelle und geschlechtliche Vielfalt zu thematisieren und Diskriminierung und Gewalt entschieden entgegenzutreten. Auf Grundlage der Studienergebnisse wird gefordert, Beratungs- und Unterstützungsangebote für LSBTIQ* – insbesondere für junge Menschen – auszubauen und zu verbessern. Neben diversitätssensiblen bildungs-, sozialpolitischen und gesundheitspolitischen Entscheidungen bedarf es aber vor allem auch einer stärkeren Sensibilisierung und Reflexion von Fachkräften im Umgang mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt und eine diversitätssensible Kultur in öffentlichen Einrichtungen und (Hilfe-)Infrastrukturen für junge Menschen.
Anm. d. Redaktion: Dies gilt insbesondere auch für die Kinder- und Jugendhilfe/Hilfen zur Erziehung, die mit dem KJSG explizit in der Verantwortung ist „Bei der Ausgestaltung der Leistungen und der Erfüllung der Aufgaben […] die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen, Jungen sowie transidenten, nichtbinären und intergeschlechtlichen jungen Menschen zu berücksichtigen, Benachteiligungen abzubauen und die Gleichberechtigung der Geschlechter zu fördern […]“ [§ 9 Abs. 3 SGB VIII].

Weitere Informationen und Kurzzusammenfassung
Quelle: FUAS vom 15.12.2021

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