Materialien zur Heimerziehung - Ausgabe 05 -1988

Text Schwarz weiß Titelblatt

Im Heft 3/88 der Materialien zur Heimerziehung veröffentlichten wir einen — zugegebenermaßen provozierenden — Beitrag von Karl Späth und drei Erfahrungsberichte, die aus jeweils unterschiedlicher Sicht (eine Supervisorin, eine Supervisandin und eine Heimleiterin) Ihre Erfahrungen skizzierten, wobei zu beachten ist, daß die zugrundeliegenden Supervisionskonzepte auch unterschiedlich waren: im ersten Beitrag wurde auf Psychoanalyse, Gruppendynamik und Organisationssoziologie verwiesen, der zweite Beitrag berief sich auf die Balintmethode und im dritten Beitrag wurde die Transaktionsanalyse als Methode genannt. Im Einführungskästchen war bereits angekündigt worden, ein weiteres Materialienheft zur

Diskussion um Supervision

herauszubringen. Dieses liegt nun hiermit vor. Es enthält sowohl einige Reaktionen auf das erste Heft als auch Konzepte und Grundlagen, wie unterschiedlich Supervision in verschiedenen Einrichtungen gehandhabt wird. In den 70er Jahren wurden noch in mühsamer theoretischer Diskussion die vorher mit Bindestrich verbundenen Begriffe Supervision und Praxisanleitung voneinander unterschieden. Supervislon befreite sich von dem Ruf, nur Instrument der administrativen und fachlichen Kontrolle zu sein; ein eigenständiges Selbstverständnis der — meist externen — Supervisoren konnte sich entwickeln. In den Vordergrund traten Bestimmungen von Supervision als Innovationsinstrument und als Weg zur beruflichen Qualifizierung der Praktiker. Inzwischen geht es in der Diskussion einerseits um Fehlentwicklungen innerhalb der Supervision durch unkritische Übernahme individual-psychologischer und therapeutischer Konzepte, andererseits um den Stellenwert der Supervision für die Praxis. Ist sie Therapieersatz für ausgebrannte Pädagogen, Mittel zur Krisenbewältigung bei akuten Teamproblemen, kurzfristiges Hilfsmittel bei Umstrukturierungen oder ist sie eine Methode der Reflexion von Alltagsproblemen, die auf Dauer für Pädagogen — speziell solche, die mit problembeladenen Kindern und Jugendlichen arbeiten — nötig ist? Ist sie — zugespitzt — Bestandteil eines qualifizierten pädagogischen Konzepts oder Feuerwehr, wenn bei der Umsetzung von Konzepten Reibungen entstehen? Die hier gesammelten Berichte und Konzepte gehen davon aus, daß qualifizierte Erziehungsarbeit durch Supervision unterstützt wird. Die Unterschiede in der konzeptionellen Einbettung können Anregung sein, diesen Grundgedanken auf die Erfordernisse der konkreten Einrichtungen hin zu modifizieren. Leitlinie einer Weiterentwicklung der Diskussion müßte sein, von der isolierten, psychologisch orientierten Supervision über die institutionell eingebettete Kollegialberatung — z. T. auch Intervision genannt — hin zu einer Form zu kommen, die auf Organisationsentwicklung durch kontinuierliche Reflexion der personellen und institutionellen Probleme abzielt.

Erscheinungsjahr
1988
Ausgabe
5
Sammelband
Nein