Materialien zur Heimerziehung - Ausgabe 04 -1993
Dialog über Erziehungshilfen zwischen Ost und West
Im Jahre 3 der deutschen Vereinigung kann es keine rosa Brille mehr vertuschen. Vieles ist im Vereinigungsprozeß schiefgelaufen und läuft schief. Die Rezession legt die mit der Beckschen „Risikogesellschaft" schon überwunden geglaubte Reichtums- und Klassengesellschaft - in Ost und West- wieder frei. Wenn man heute von einem „ Solidarpakt" sprechen kann, dann - so Ulrich Schneider - eher von einem Solidarpakt gegen die Schwachen in unserer Gesellschaft. Und die topographische Spaltung der neuen Bundesländer in Industrieruinen-Stätten einerseits und futuristische Erlebnis- und Einkaufs- Welten andererseits kann's ja wohl auch nicht gewesen sein.
Und wie sieht es aus mit der Vereinigung auf dem Gebiet der Jugendhilfe? Das vorliegende Heft dokumentiert schwerpunktmäßig Dialoge über Erziehungshilfen zwischen Ost und West und versammelt hierzu Beiträge, die
- aus östlicher und westlicher Sicht die Entwicklung und Probleme der deutschen Vereinigung im Bereich der Jugendhilfe aufzeigen,
- im Dialog zwischen Ost- und Westkolleginnen erarbeitete Grundsatzfragen der Heimerziehung thematisieren sowie
- die Ergebnisse einer Befragung zu den Fortbildungsbedürfnissen und -erfahrungen von
IGfH
-Mitgliedern in den neuen Bundesländern präsentieren.
Die Stadt Duisburg hat einen Fachplan mit „Konzepten zur Vermeidung von Fremdplazierung" veröffentlicht. Sind die Duisburger Konzepte ein fruchtbarer, d. h. pädagogisch vertretbarer Beitrag zur Senkung der Jugendhilfekosten von finanziell angeschlagenen Kommunen oder handelt es sich eher um Milchmädchenrechnungen? Drei Kolleginnen befassen sich in einem Artikel ab Seite 16 kritisch mit den Duisburger Plänen.
W. Trede