Materialien zur Heimerziehung - Ausgabe 04 -1989
Die Begriffe sind nach wie vor vielfältig: „ Mobile Betreuung", „ Flexible Betreuung", „ Betreutes Wohnen", „ Betreutes Jugendwohnen" — fast 30 verschiedene Bezeichnungen existieren einer Umfrage der
IGfH
zufolge in der Bundesrepublik für eine Betreuungsform der Jugendhilfe, in der Jugendliche in der Regel alleine in Wohnungen leben und von außen Unterstützung und Hilfe erfahren Der Vielfalt der Begriffe entsprechen sehr unterschiedliche pädagogische Konzeptionen, je nachdem ob es um Nachbetreuung, eine Verselbständigungsmaßnahme oder um eine eigenständige Maßnahme der Fremdplazierung geht. In diesem Heft soll es schwerpunktmäßig um eine Weiterentwicklung derjenigen individualisierenden Hilfen gehen, die sich als eigenständiges Hilfsangebot und als Alternative zur „ herkömmlichen" Heimerziehung verstehen. Pädagogisch spannend ist dabei die Frage, inwiefern die Ausrichtung am Individuum eine radikale Abkehr von einer „Grundfeste" der Sozial-Pädagogik, die spätestens seit der reformpädagogischen Bewegung besteht, darstellt. Gemeint ist die Einbeziehung der Gleichaltrigengruppe als zentrale Sozialisationsinstanz im pädagogischen Prozeß, Sozialpädagogik begriffen als Gemeinschaftserziehung. Verbindet sich mit individualisierenden Betreuungsformen in der
Heimerziehung also ein
Abschied von der Gruppenpädagogik?
Ist Einzelbetreuung die Antwort der Jugendhilfe auf die zunehmende Individualisierung der Gesellschaft in der Moderne? Ist es die richtige Antwort? Oder ist, wenn man genau hinsieht, die Gegenüberstellung Einzelbetreuung — Gruppenpädagogik falsch?
Dieses Heft soll der Information über den gegenwärtigen Stand der konzeptionellen Entwicklung im Bereich der individualisierenden Hilfen dienen. Für ein späteres Diskussionsheft der aufgeworfenen Fragen wäre es schön, wenn sich die Leserinnen und Leser der „Materialien zur Heimerziehung" mit Beiträgen beteiligen würden.