Materialien zur Heimerziehung - Ausgabe 03 -1990
Die offizielle, ausschließlich auf Repression und Therapie setzende Drogenpolitik ist gescheitert. Immer mehr Drogentote — mehr vom gefährlichen Leben auf der kriminalisierten Szene als vom Heroin dahingerafft, die um sich greifende, aber zwangsläufige Beschaffungskriminalität und die partielle Unterwanderung ganzer Wirtschaftszweige durch Milliarden „gewaschener' Narco-Dollars sprechen eine deutliche Sprache. Aber nicht nur die Drogenpolitik muß neue Wege finden,
auch in der Jugendhilfe und speziell in Einrichtungen der Erziehungshilfe ist eine Neuorientierung vonnöten. In wie vielen Heimen ist Drogengebrauch von Jugendlichen heute noch ein Ausschlußkriterium bei der Aufnahme und — schlimmer — ein Grund für den Rausschmiß? In wie vielen Heimen und Wohngruppen ist das Thema Drogen noch tabu, schauen Erzieher/innen — sei es aus Angst oder Abwehr — weg?
Akzeptierende Drogenarbeit in der Jugendhilfe
zu entwickeln und erste modellhafte Ansätze einer solchen Arbeit zu überprüfen, war das Anliegen der
IGfH
bei der Ausrichtung eines Expertengesprächs im Jahr 1991 und einer Fachveranstaltung auf dem 9. Jugendhilfetag in Hamburg, die im folgenden auszugsweise dokumentiert werden. Deutlich wurde auf beiden Veranstaltungen, daß es möglich und sinnvoll ist, dro9enkonsumierende Jugendliche im Sinne einer akzeptierenden Arbeit auf dem schmalen Grat zwischen der repressiv wirkenden Alternative „Abstinenz plus Therapie oder: Ausgrenzung" einerseits und einer ebenso fatalen pädagogischen Gleichgültigkeit und Resignation andererseits zu begleiten. Heimerziehung zwischen Normalisierung und Professionalisierung ist der Titel einer eingehenderen Analyse der neuesten quantitativen Entwicklungen Im Bereich der erzieherischen Hilfen, die am Ende dieses Heftes abgedruckt ist.
W.T.