Materialien zur Heimerziehung - Ausgabe 03 -1982

Erste Seite der Materialen zur Heimerziehung mit Text in Schwarz-Weiß

Dieses Heft der Materialien zur Heimerziehung befaßt sich schwerpunktmäßig mit der Thematik der Tagesheimgruppen. Anlaß des Heftes war ein erstes Bundestreffen der Tagesheimgruppen vom 1. bis 3. April 1982 in Münster, zu dem das Diakonische Werk Westfalen, das Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Münster und die IGfH gemeinsam eingeladen hatten.

Die abgedruckten Beiträge stellen nicht nur Arbeitsgruppen- und Plenumsergebnisse der Tagung dar, sondern wurden noch um weitere wichtige Fragestellungen erweitert, die den Bereich "Tagesheimgruppen" angehen. Eine vergleichende Übersicht von Einrichtungen soll die Kontaktaufnahme und den Erfahrungsaustausch ermöglichen.

Das Leitungsteam der Tagung zieht folgendes Resümee: 

„Die Tagung wurde in erster Linie für Mitarbeiter in Tagesheimgruppen, aber auch für Mitarbeiter von Heimen, die die Einrichtung einer teilstationären Gruppe erst planen, konzipiert. Entsprechend groß war die Resonanz: von den über 100 Teilnehmern waren etwa dreiviertel in einer Tagesheimgruppe tätig; damit waren 23 Heime vertreten, die bereits über Erfahrungen in der Tagesheimgruppenarbeit verfügen (s. Übersicht). Die Tagung sollte einen kontinuierlichen Erfahrungsaustausch auf Bundesebene initiieren und in die Arbeit der IGfH zur milieuorientierten Heimerziehung einfließen. Im Mittelpunkt der Tagung standen organisatorische und konzeptionelle Fragen der teilstationären Heimerziehung wie z. B. die Gestaltung des Tagesablaufes und Fragen der methodischen Arbeit. insbesondere der Elternarbeit. Entgegen dem üblichen Tagungsschema wurde kein langes einführendes Grundsatzreferat gehalten; in einer Vorstellungsrunde stellten sich drei Einrichtungen, die dem Diakonischen Werk Westfalen angeschlossen sind, mit ihrer teilstationären Arbeit mittels verschiedener Medien (Video, Dia) in kurzen Ausschritten vor. Heinz Lehmann, Leiter eines Heimes in Düsseldorf, berichtete von Schwierigkeiten, eine Befreiungsverfügung gemäß § 79 II JWG für die Tagesheimgruppe als Heimgruppe zu erhalten, und Hans- Otto Schlotmann von der Diagnose und Beratungsstelle des Diözesan-Caritasverbandes Münster referierte die Ergebnisse des bisherigen Erfahrungsaustausches der Tagesheimgruppen auf nordrhein-westfälischer Ebene. Danach bestand die Möglichkeit, die Vertreter der vorgestellten Einrichtungen zu befragen. 

Am zweiten Tag wurde zu folgenden Themen in Arbeitsgruppen gearbeitet: „Unterschiedliche Konzepte und ihre Umsetzung in die Praxis" (AG 1), „Unterschiedliche methodische Ansätze und ihre Umsetzung in den Tagesablauf einer Tagesheimgruppe" (AG 2), „ Elternarbeit und Nachbetreuung" (AG 3/4), „ Perspektiven der Tagesheimgruppe im Verbund anderer Jugendhilfeeinrichtungen und Die Stellung der Tagesheimgruppe zu den anderen Angeboten des Heimes" (AG 5/6), „Finanzielle Rahmenbedingungen (AG 7). Abends bestand die Möglichkeit für alle vertretenen Einrichtungen, sich in „Bild und Ton" vorzustellen. 

Bei der Zusammenfassung am dritten Tagungstag wurde darauf verzichtet, Berichte aus den Arbeitsgruppen zu referieren. Stattdessen stellte Christian Schrapper von der Universität Münster kritische Thesen über die Tagesheimgruppenarbeit zur Diskussion. Sie dienten dazu, die Arbeit in Tagesheimgruppen und damit ebenfalls den Inhalt der Tagung nochmals kritisch zu hinterfragen. Die anschließende Auswertung der Tagung hatte zum Ergebnis, daß von allen Teilnehmern die Initiative zu einem ersten bundesweiten Erfahrungsaustausch begrüßt und vereinbart wurde, sich 1983 in einer Einrichtung in Baden-Württemberg zu treffen. Dazu sollten dann allerdings nur Mitarbeiter von bereits arbeitenden Tagesheimgruppen eingeladen werden, um über das Stadium eines Erfahrungsaustausches hinauszukommen. Die Diskussion von Arbeitsergebnissen einzelner Einrichtungen sowie spezielle Probleme werden dann im Vordergrund stehen. 

Wir hoffen, daß trotz der zunehmend restriktiver werdenden Haushaltspolitik der Kommunen die Ausdifferenzierung der Heimerziehung weiterentwickelt wird. Dazu kann sicherlich beitragen, wenn noch stärker als bisher für die Arbeit in Tagesheimgruppen Öffentlichkeitsarbeit betrieben wird."

Erscheinungsjahr
1982
Ausgabe
03
Sammelband
Nein