Materialien zur Heimerziehung - Ausgabe 01 +02 -1993
Forschung und Praxis in der Heimerziehung
Noch nie ist in und über Heimerziehung soviel geforscht worden wie in den vergangenen 10 Jahren. Gleichzeitig drängt sich der Eindruck auf, daß es um die Rezeption der Forschungsergebnisse nicht zum Besten gestellt ist. Das Verhältnis von „ Forschung" und „ Praxis" ist kompliziert und belastet, obwohl sich in der praktischen Heimerziehung als Folge des Professionalisierungsschubes immer mehr Akademiker tummeln. Praktikerinnen und Praktiker stehen Forscherinnen und Forschern häufig mißtrauisch gegenüber, bezweifeln den Wert von Untersuchungen und halten die Ergebnisse für banal, nicht hilfreich oder sogar gänzlich für irrelevant. Forscherinnen und Forscher sehen sich häufig in ein falsches Licht gesetzt oder nur dann akzeptiert, wenn sie bzw. ihre Ergebnisse für die Legitimation von Praxis indienstgenommen werden können. Vor diesem Hintergrund hat die
IGfH
in den vergangenen Jahren zwei Expertengespräche zum Thema „ Forschung und Praxis" durchgeführt und verband damit drei Intentionen:
- Neue Forschungsergebnisse sollten in einem Interessierten Kolleginnenkreis vorgestellt und diskutiert werden.
- Es sollte ein Dialog zwischen „ Praxis" und „ Forschung" über die oben aufgeworfenen Themen sowie Fragen der Forschungsmethodik etabliert werden.
- Es sollten systematisch Forschungslücken aufgedeckt, zukünftige Forschungsfragen formuliert und perspektivisch eine Vernetzung der deutschen Heimerziehungsforschung geleistet werden.
Mit diesem Schwerpunktheft und seinen, ja durchaus kontroversen Beiträgen zum Verhältnis von Forschung und Praxis in der Heimerziehung wollen wir unsere Mitglieder und interessierte Kolleginnen über diese Diskussion informieren. Die beiden Expertengespräche sollen lediglich den Auftakt zu einer kontinuierlichen Thematisierung von Forschungsfragen der Heimerziehung bzw.der erzieherischen Hilfen im Rahmen der IGfH sein. Hierzu sind alle Interessierte herzlich eingeladen.