Materialien zur Heimerziehung - Ausgabe 01 + 02 -1991

Text schwarz weiß Titelblatt

Nicht nur „jedes deutsche Kind" wie bislang, sondern „jeder junge Mensch" hat seit dem Inkrafttreten des neuen Kinderund Jugendhilfegesetzes ein Recht auf Erziehung. Spiegelt sich in dieser Veränderung des rechtlichen Rahmens vielleicht eine Abkehr von der bisherigen „ Deutschland-ist-kein-Einwanderungslandl" — Doktrin, die ihren Ausdruck fand in den ausländerpolitischen Zielsetzungen Assimilation („Germanisierung") oder Segregation? Verspricht sie mithin bessere
Zeiten für eine Jugendhilfe, die Ihre Leistungen von den jeweiligen Bedürfnissen und Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen abhängig macht, und nicht von deren Staatsangehörigkeit? Wie steht es also um die
 
Jugendhilfe in einer multikulturellen Gesellschaft 

Bundesrepublik Deutschland — einer Gesellschaft, die dauerhaft von einer zunehmenden Vielfalt von Kulturen geprägt wird? Zur Auseinandersetzung mit diesen Fragen veranstaltete die IGfH vom 8. bis 10. Oktober 1990 ein Expertengespräch in Heppenheim, das in diesem Doppelheft der Materialien zur Heimerziehung dokumentiert wird. Deutlich wurde auf dieser Tagung, daß die beiden oben angeschnittenen Fragen zumindest für den Bereich der erzieherischen Hilfen mit einem
klaren „ Nein" beantwortet werden müssen. Insbesondere für den wachsenden Hilfebedarf von Migrantenkindem (d. h. Kindern von „Gastarbeitern") fehlt es an Hilfen, die ihren kulturellen und psycho-sozialen Problemen gerecht werden. Das Anliegen des Expertengesprächs und der vorliegenden Publikation ist es daher, die Sensibilität der Fachwelt für die spezifischen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen anderer kultureller bzw. ethnischer Herkunft zu erhöhen und Ansätze einer „interkulturellen Heimerziehung" zu entwickeln.

Heide Kallen

Schlagwörter
Erscheinungsjahr
1991
Ausgabe
1
Sammelband
Nein