Titel der Tagung und Formen wie Kreise, Dreiecke, Vierecke

Workshops am 10.11.2026

Hinweis zu den Workshops: Die Workshops finden eintägig statt. WS01- WS08 können an beiden Tagen gewählt werden. WS09 bis WS11 werden nur am ersten Tag angeboten. WS12 bis WS14 werden nur am zweiten Tag angeboten.
 

WS01 Ressource Familie?! Verwandtenpflege proaktiv gestalten 

Verwandtenpflegeverhältnisse entstehen häufig kurzfristig und ohne Einbindung sozialer Dienste. Gleichzeitig eröffnet eine frühzeitige, transparente Information und aktive Ansprache von Verwandtenpflegepersonen die Möglichkeit, Pflegeverhältnisse von Beginn an tragfähiger zu gestalten.  

Der Workshop geht der Frage nach, ob und wie Verwandtenpflegepersonen frühzeitig informiert und proaktiv einbezogen werden können. Diskutiert werden Chancen, Grenzen und mögliche Folgen fehlender Information sowie Suchbewegungen von Verwandten und leiblichen Eltern. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der vertrauensvollen Kooperation mit Verwandtenpflegepersonen. Anhand von Fallbeispielen wird erarbeitet, wie eine professionelle Begleitung Pflegeverhältnisse stärken und zugleich Schutz und Rechte von Pflegekindern sichern kann. 

Referent*innen: Imke Büttner, Helga Heugel, Ina Ruchholz, Jenna Vietig 

 

WS02 Regionale Disparitäten der Bereitschaftspflege – Ursachen, Handlungsbedarfe und Impulse 

Bereitschaftspflege ist eine zentrale Hilfeform im Kinderschutz, die regional sehr unterschiedlich ausgestaltet ist. Der Workshop nimmt diese Disparitäten in den Blick: Wo zeigen sie sich, auf welchen Ebenen entstehen sie und ab wann werden Qualitätsunterschiede zum Nachteil von Kindern, Eltern und Bereitschaftspflegepersonen? 
Der Workshop beleuchtet Ursachen und Folgen: Aus der Binnenperspektive von Bereitschaftspflegepersonen, mit Blick auf organisationale Rahmenbedingungen, institutionelle Ausgestaltungen und Rollenbilder sowie mit Bezug auf Motivlagen und Passungsverhältnisse. 
Gemeinsam mit den Teilnehmenden werden Disparitäten analysiert, sortiert und in konkrete Handlungsbedarfe übersetzt. Ziel ist es, neue Impulse und umsetzbare Ideen für die Gewinnung und den langfristigen Erhalt von Bereitschaftspflegefamilien zu entwickeln. 

Referent*innen: Simon Hilmes, Christiane Kehl, Corinna Petri 

 

WS03 Finanzielle Rahmenbedingungen 

Pflegeeltern werden bundesweit dringender denn je gesucht. Umso wichtiger ist es, dass der Unterhalt für Pflegekinder deren Bedarfe sowie die Ausgaben und das Engagement von Pflegeeltern angemessen widerspiegelt. 

Wenngleich nahezu alle Bundesländer inzwischen die jährlichen Empfehlungen des Deutschen Vereins zu den Pauschalbeträgen in der Vollzeitpflege umsetzen, unterscheiden sich die finanziellen Rahmenbedingungen in der Vollzeitpflege bundesweit erheblich.  

In diesem Workshop soll zum einen aufgezeigt werden, welche finanziellen Leistungen Pflegefamilien erhalten können. Zum anderen soll diskutiert werden, wie auf kommunaler und Landesebene Spielräume genutzt werden können, um Pflegefamilien bedarfsgerechte Leistungen anzubieten. Dabei wird es auch um Kriterien und sinnvolle Regelungen für die Gewährung eines erhöhten Erziehungsgeldes, einmaliger Beihilfen sowie elterngeldähnlicher Leistungen gehen. 

Referent*innen: Vanessa Brackmann, Anna Traub 

 

WS04 Künftige Pflegeeltern im Blick - Auswahl und Vorbereitung 

Dieser Workshop richtet sich an Personen, die ihre bisherige Praxis der Auswahl und Vorbereitung künftiger Pflegeeltern reflektieren wollen und interessiert sind an neuen Impulsen aus einschlägigen Projekten und aus der Praxis der Teilnehmenden. Nach einer gemeinsamen Annäherung an das Thema sollen zunächst die gängigen Auswahlkriterien der Anwesenden gesichtet und zur Diskussion gestellt werden. Im nächsten Schritt steht der Auswahlprozess im Fokus. Daran anschließend wird der Blick auf die Vorbereitung der künftigen Pflegeeltern gerichtet. Im Fokus steht hier vor allem die Sicht der Kinder und Jugendlichen auf den Start in der Pflegefamilie und es wird der Frage nachgegangen, wie diese perspektivisch stärker einbezogen werden kann. 

Referent*innen: Andrea Dittmann, Ina Foschepoth 

 

WS05 Best Practice in Pflegeverhältnissen – der Wunsch, ein Pflegekind aufzunehmen ist da … und was kommt dann? 

Pflegefamilien sind selten, aber stark nachgefragt. Ihre Gewinnung und Stabilisierung hängt wesentlich von der Qualität professionellen Handelns im Pflegekinderdienst (PKD) bzw. in der Fachberatung ab. Der Workshop rückt daher die Dienstleistungsqualität in den Mittelpunkt und fragt, wie Fachpraxis im Spannungsfeld von öffentlicher Verantwortung und privater Lebensführung gestaltet wird. Pflegekinderhilfe wird dabei als Beziehungsgeflecht verstanden, in dem Pflegefamilien, Familien und Fachkräfte in Aushandlungsprozesse eingebunden sind. Im Fokus stehen die Gestaltung von Kooperationsbeziehungen, der Umgang mit unterschiedlichen Perspektiven sowie organisationale Rahmenbedingungen. „Zusammenarbeit auf Augenhöhe“ wird als voraussetzungsreiche Praxis analysiert. 

Leitfragen sind: 

Was kennzeichnet fachlich begründete Praxis in der Begleitung von Pflegefamilien? 

Unter welchen Bedingungen gelingt Kooperation zwischen Pflegefamilien, Familien und Fachkräften? 

Welche Rahmenbedingungen sichern Dienstleistungsqualität? 

Methodisch wird im World-Café gearbeitet. .

Referent*innen: Maria Egner-Steuler, Marcus Grzesko, Jens Kalpein

 

WS06 Irrungen und Wirrungen in der Pflegekinderhilfe - wie rechtliche Klarheit und Transparenz Pflegeverhältnisse stärken

In der Pflegekinderhilfe gibt es Themen, über die ungern gesprochen wird – besonders dann, wenn es um die Rechtsstellung von Eltern geht. Dazu zählen etwa die Weitergabe der Adresse der Pflegeeltern, Flexibilität bei der Umgangsgestaltung und die Befugnisse der Pflegeeltern im Rahmen der Alltagssorge. Oft geschieht dies aus Sorge um das Pflegekind oder aus Angst, Bewerber*innen abzuschrecken oder Pflegeeltern zu belasten. Nicht selten fehlen jedoch auch Fachinformationen, was Unsicherheiten auslöst und eine gute Beratung der Beteiligten erschwert.  

Deshalb möchten wir Sie in diesem Workshop dazu einladen mit uns den Fokus auf die jeweiligen Rechtsgrundlagen zu richten. Gemeinsam möchten wir Ideen entwickeln, wie bereits in der Vorbereitungsphase, beim Start des Pflegeverhältnisses und in der weiteren Begleitung Transparenz und Klarheit für alle Beteiligten geschaffen werden können. So können Irritationen vermieden und Pflegeverhältnisse nachhaltig gestärkt werden. 

Referent*innen: Diana Eschelbach, Heidrun Sauer 

 

WS07 Öffentlichkeitsarbeit – Effekte und Chancen 

Öffentlichkeitsarbeit wird in der Pflegekinderhilfe als strategisches Instrument zur Gewinnung von Pflegepersonen diskutiert. Empirische Studien zur Rekrutierung von Pflegeeltern zeigen, dass Öffentlichkeitsarbeit insbesondere auf vorgelagerte Wirkdimensionen Einfluss nimmt: Sie erhöht die gesellschaftliche Sichtbarkeit der Pflegekinderhilfe, beeinflusst Einstellungen und Wissen und kann Interesse an einer Pflegeelternschaft initiieren. Gleichzeitig weist der Forschungsstand darauf hin, dass direkte kausale Effekte zwischen Öffentlichkeitsarbeit und der tatsächlichen Entscheidung für eine Pflegefamilie nur begrenzt nachweisbar sind. Öffentlichkeitsarbeit entfaltet ihre Wirkung nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit strukturellen Rahmenbedingungen. Regionale Modellprojekte, finanzielle Anreizsysteme und Kampagnen bieten dabei relevante Fallbeispiele. Der Workshop greift diese Befunde auf und diskutiert Effekte, Chancen und Grenzen von Öffentlichkeitsarbeit. 

Referent: Peter Heinßen | Moderation: Silvia Haßmann-Vey 

 

WS08 Inklusive Pflegekinderhilfe braucht Pflegeeltern – wie Gewinnung, Begleitung und Entlastung gelingen können 

Der Workshop richtet den Blick gezielt auf die Situation von Pflegeeltern und fragt, unter welchen Bedingungen sie bereit und in der Lage sind, Kinder mit Behinderung in ihre Familie aufzunehmen und langfristig zu begleiten. 
Im Mittelpunkt stehen Fragen der Gewinnung, fachlichen Begleitung und nachhaltigen Entlastung. Thematisiert werden Anforderungen und Unterstützungsbedarfe, Passung als fortlaufender Prozess sowie die gemeinsame Verantwortung von Pflegeeltern, Eltern und Fachkräften. 
Der Workshop verbindet konzeptionelle Impulse mit Praxisreflexion und kollegialem Austausch. Ziel ist es, Handlungssicherheit zu stärken, realistische Perspektiven aufzuzeigen und gemeinsam Wege zu entwickeln, wie mehr Pflegeeltern für inklusive Pflegeverhältnisse gewonnen und dauerhaft unterstützt werden können. 

Referent*innen: Sorina Miers, Anne Weinhold

 

WS12 Zukunft gestalten in der Pflegekinderhilfe – Netzwerkpflege als Antwort für morgen 

Der Workshop stellt Netzwerkpflege als zukunftsweisenden Ansatz vor und verbindet das Konzept der Netzwerkerkundung mit internationalen und präventiven Modellen (z. B. Contact Family und Lifelong Links). Im Mittelpunkt steht die Frage, wie bestehende Beziehungen von Kindern systematisch erkannt und gestärkt werden können, um schmerzhafte und manchmal auch traumatisierende Trennungen zu vermeiden, Eltern einzubeziehen und neue Pflege- und Unterstützungsarrangements zu eröffnen. Netzwerkpflege erweitert institutionelle Routinen und ein eng gefasstes Verständnis von Pflegeverhältnissen um eine stärkere Ausrichtung auf Beziehungskontinuität, Beteiligung und sozialräumliche Verantwortung.  

Der Workshop kombiniert konzeptionelle Inputs mit Methoden zur Selbsterprobung (u. a. Netzwerkblick und biografische Zugänge) sowie kollegialem Austausch. Wir möchten einen Denkimpuls ermöglichen und dazu anregen neue Perspektiven zuzulassen und mutig weiterzudenken. 

Referent*innen: Judith Pöckler-von Lingen, Dirk Schäfer 

 

WS13 Vom Adoptionswunsch zur Pflegeelternschaft – Potentiale nutzen und kritisch hinterfragen 

Die Ansprache von Adoptionsbewerber*innen bietet ein wertvolles Potential zur Gewinnung von Pflegeeltern. In der Fachpraxis stellt sich jedoch die zentrale Frage, unter welchen Bedingungen dieser Systemwechsel gelingen kann. Denn während eine Adoption die vollständige rechtliche Integration des Kindes in die neue Familie bei Erlöschen der Verwandtschaftsverhältnisse zur Herkunftsfamilie bedeutet, verlangt die Pflegekinderhilfe eine hohe Toleranz gegenüber Ambivalenzen, insbesondere im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie und die Akzeptanz von Rückkehrperspektiven.  

Der Workshop beleuchtet fachlich, welche Kriterien über eine sinnvolle Umorientierung entscheiden und wie Identitätsfragen der Bewerber*innen mit den Bedürfnissen der Kinder vereint werden können. Nach einem Input zu Forschungsergebnissen und Praxisbeispielen werden gemeinsam mit den Teilnehmenden Kriterien für eine verantwortungsvolle Akquise und Vorbereitung erarbeitet.

Referentin: Dr. Ina Bovenschen 

 

WS14 Pflegeeltern als Beruf? 

In einigen anderen Ländern ist die Tätigkeit von Pflegeeltern als sozialversicherungspflichtiger Beruf organisiert. Auch in Deutschland gibt es das für einige spezielle Formen. Im Workshop sollen die Chancen, Voraussetzungen und Grenzen der Verberuflichung in Pflegeverhältnissen diskutiert werden.  

Ausgangspunkt sind vorgestellte Erfahrungen aus Österreich. Welche Vor- und Nachteile hat die Anstellung von Pflegeeltern? Werden dadurch neue Zugänge für diese Tätigkeit eröffnet und das Spektrum von Pflegeverhältnissen erweitert? Was können wir aus Erfahrungen in anderen Ländern für unsere Praxis lernen? Diskutiert werden soll auch die Frage, welche Erfahrungen mit einer oder Pläne für eine Festanstellung von Pflegepersonen (z.B. in der Bereitschaftspflege, aber auch darüber hinaus) es in Deutschland schon gibt. Die Teilnehmenden sind im zweiten Teil des Workshops explizit aufgefordert ihre Modelle und Konzepte einzubringen.  

Referentin: Alexander König | Moderation: Josef Koch