Titel der Tagung und Formen wie Kreise, Dreiecke, Vierecke

Workshops am 09.11.2026

Hinweis zu den Workshops: Die Workshops finden eintägig statt. WS01- WS08 können an beiden Tagen gewählt werden. WS 09 bis WS 11 werden nur am ersten Tag angeboten. WS 12 bis WS 14 werden nur am zweiten Tag angeboten.
 

WS01 Ressource Familie?! Verwandtenpflege proaktiv gestalten 

Verwandtenpflegeverhältnisse entstehen häufig kurzfristig und ohne Einbindung sozialer Dienste. Gleichzeitig eröffnet eine frühzeitige, transparente Information und aktive Ansprache von Verwandtenpflegepersonen die Möglichkeit, Pflegeverhältnisse von Beginn an tragfähiger zu gestalten.  

Der Workshop geht der Frage nach, ob und wie Verwandtenpflegepersonen frühzeitig informiert und proaktiv einbezogen werden können. Diskutiert werden Chancen, Grenzen und mögliche Folgen fehlender Information sowie Suchbewegungen von Verwandten und leiblichen Eltern. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der vertrauensvollen Kooperation mit Verwandtenpflegepersonen. Anhand von Fallbeispielen wird erarbeitet, wie eine professionelle Begleitung Pflegeverhältnisse stärken und zugleich Schutz und Rechte von Pflegekindern sichern kann. 

Referent*innen: Imke Büttner, Helga Heugel, Ina Ruchholz, Jenna Vietig 

 

WS02 Regionale Disparitäten der Bereitschaftspflege – Ursachen, Handlungsbedarfe und Impulse 

Bereitschaftspflege ist eine zentrale Hilfeform im Kinderschutz, die regional sehr unterschiedlich ausgestaltet ist. Der Workshop nimmt diese Disparitäten in den Blick: Wo zeigen sie sich, auf welchen Ebenen entstehen sie und ab wann werden Qualitätsunterschiede zum Nachteil von Kindern, Eltern und Bereitschaftspflegepersonen? 
Der Workshop beleuchtet Ursachen und Folgen: Aus der Binnenperspektive von Bereitschaftspflegepersonen, mit Blick auf organisationale Rahmenbedingungen, institutionelle Ausgestaltungen und Rollenbilder sowie mit Bezug auf Motivlagen und Passungsverhältnisse. 
Gemeinsam mit den Teilnehmenden werden Disparitäten analysiert, sortiert und in konkrete Handlungsbedarfe übersetzt. Ziel ist es, neue Impulse und umsetzbare Ideen für die Gewinnung und den langfristigen Erhalt von Bereitschaftspflegefamilien zu entwickeln. 

Referent*innen: Simon Hilmes, Christiane Kehl, Corinna Petri 

 

WS03 Finanzielle Rahmenbedingungen 

Pflegeeltern werden bundesweit dringender denn je gesucht. Umso wichtiger ist es, dass der Unterhalt für Pflegekinder deren Bedarfe sowie die Ausgaben und das Engagement von Pflegeeltern angemessen widerspiegelt. 

Wenngleich nahezu alle Bundesländer inzwischen die jährlichen Empfehlungen des Deutschen Vereins zu den Pauschalbeträgen in der Vollzeitpflege umsetzen, unterscheiden sich die finanziellen Rahmenbedingungen in der Vollzeitpflege bundesweit erheblich.  

In diesem Workshop soll zum einen aufgezeigt werden, welche finanziellen Leistungen Pflegefamilien erhalten können. Zum anderen soll diskutiert werden, wie auf kommunaler und Landesebene Spielräume genutzt werden können, um Pflegefamilien bedarfsgerechte Leistungen anzubieten. Dabei wird es auch um Kriterien und sinnvolle Regelungen für die Gewährung eines erhöhten Erziehungsgeldes, einmaliger Beihilfen sowie elterngeldähnlicher Leistungen gehen. 

Referent*innen: Vanessa Brackmann, Anna Traub 

 

WS04 Künftige Pflegeeltern im Blick - Auswahl und Vorbereitung 

Dieser Workshop richtet sich an Personen, die ihre bisherige Praxis der Auswahl und Vorbereitung künftiger Pflegeeltern reflektieren wollen und interessiert sind an neuen Impulsen aus einschlägigen Projekten und aus der Praxis der Teilnehmenden. Nach einer gemeinsamen Annäherung an das Thema sollen zunächst die gängigen Auswahlkriterien der Anwesenden gesichtet und zur Diskussion gestellt werden. Im nächsten Schritt steht der Auswahlprozess im Fokus. Daran anschließend wird der Blick auf die Vorbereitung der künftigen Pflegeeltern gerichtet. Im Fokus steht hier vor allem die Sicht der Kinder und Jugendlichen auf den Start in der Pflegefamilie und es wird der Frage nachgegangen, wie diese perspektivisch stärker einbezogen werden kann. 

Referent*innen: Andrea Dittmann, Ina Foschepoth 

 

WS05 Best Practice in Pflegeverhältnissen – der Wunsch, ein Pflegekind aufzunehmen ist da … und was kommt dann? 

Pflegefamilien sind selten, aber stark nachgefragt. Ihre Gewinnung und Stabilisierung hängt wesentlich von der Qualität professionellen Handelns im Pflegekinderdienst (PKD) bzw. in der Fachberatung ab. Der Workshop rückt daher die Dienstleistungsqualität in den Mittelpunkt und fragt, wie Fachpraxis im Spannungsfeld von öffentlicher Verantwortung und privater Lebensführung gestaltet wird. Pflegekinderhilfe wird dabei als Beziehungsgeflecht verstanden, in dem Pflegefamilien, Familien und Fachkräfte in Aushandlungsprozesse eingebunden sind. Im Fokus stehen die Gestaltung von Kooperationsbeziehungen, der Umgang mit unterschiedlichen Perspektiven sowie organisationale Rahmenbedingungen. „Zusammenarbeit auf Augenhöhe“ wird als voraussetzungsreiche Praxis analysiert. 

Leitfragen sind: 

Was kennzeichnet fachlich begründete Praxis in der Begleitung von Pflegefamilien? 

Unter welchen Bedingungen gelingt Kooperation zwischen Pflegefamilien, Familien und Fachkräften? 

Welche Rahmenbedingungen sichern Dienstleistungsqualität? 

Methodisch wird im World-Café gearbeitet. 

Referent*innen: Maria Egner-Steuler, Marcus Grzesko, Jens Kalpein

 

WS06 Irrungen und Wirrungen in der Pflegekinderhilfe - wie rechtliche Klarheit und Transparenz Pflegeverhältnisse stärken

In der Pflegekinderhilfe gibt es Themen, über die ungern gesprochen wird – besonders dann, wenn es um die Rechtsstellung von Eltern geht. Dazu zählen etwa die Weitergabe der Adresse der Pflegeeltern, Flexibilität bei der Umgangsgestaltung und die Befugnisse der Pflegeeltern im Rahmen der Alltagssorge. Oft geschieht dies aus Sorge um das Pflegekind oder aus Angst, Bewerber*innen abzuschrecken oder Pflegeeltern zu belasten. Nicht selten fehlen jedoch auch Fachinformationen, was Unsicherheiten auslöst und eine gute Beratung der Beteiligten erschwert.  

Deshalb möchten wir Sie in diesem Workshop dazu einladen, mit uns den Fokus auf die jeweiligen Rechtsgrundlagen zu richten. Gemeinsam möchten wir Ideen entwickeln, wie bereits in der Vorbereitungsphase, beim Start des Pflegeverhältnisses und in der weiteren Begleitung Transparenz und Klarheit für alle Beteiligten geschaffen werden können. So können Irritationen vermieden und Pflegeverhältnisse nachhaltig gestärkt werden. 

Referent*innen: Diana Eschelbach, Heidrun Sauer 

 

WS07 Öffentlichkeitsarbeit – Effekte und Chancen 

Öffentlichkeitsarbeit wird in der Pflegekinderhilfe als strategisches Instrument zur Gewinnung von Pflegepersonen diskutiert. Empirische Studien zur Rekrutierung von Pflegeeltern zeigen, dass Öffentlichkeitsarbeit insbesondere auf vorgelagerte Wirkdimensionen Einfluss nimmt: Sie erhöht die gesellschaftliche Sichtbarkeit der Pflegekinderhilfe, beeinflusst Einstellungen und Wissen und kann Interesse an einer Pflegeelternschaft initiieren. Gleichzeitig weist der Forschungsstand darauf hin, dass direkte kausale Effekte zwischen Öffentlichkeitsarbeit und der tatsächlichen Entscheidung für eine Pflegefamilie nur begrenzt nachweisbar sind. Öffentlichkeitsarbeit entfaltet ihre Wirkung nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit strukturellen Rahmenbedingungen. Regionale Modellprojekte, finanzielle Anreizsysteme und Kampagnen bieten dabei relevante Fallbeispiele. Der Workshop greift diese Befunde auf und diskutiert Effekte, Chancen und Grenzen von Öffentlichkeitsarbeit. 

Referent: Peter Heinßen | Moderation: Silvia Haßmann-Vey 

 

WS08 Inklusive Pflegekinderhilfe braucht Pflegeeltern – wie Gewinnung, Begleitung und Entlastung gelingen können 

Der Workshop richtet den Blick gezielt auf die Situation von Pflegeeltern und fragt, unter welchen Bedingungen sie bereit und in der Lage sind, Kinder mit Behinderung in ihre Familie aufzunehmen und langfristig zu begleiten. 
Im Mittelpunkt stehen Fragen der Gewinnung, fachlichen Begleitung und nachhaltigen Entlastung. Thematisiert werden Anforderungen und Unterstützungsbedarfe, Passung als fortlaufender Prozess sowie die gemeinsame Verantwortung von Pflegeeltern, Eltern und Fachkräften. 
Der Workshop verbindet konzeptionelle Impulse mit Praxisreflexion und kollegialem Austausch. Ziel ist es, Handlungssicherheit zu stärken, realistische Perspektiven aufzuzeigen und gemeinsam Wege zu entwickeln, wie mehr Pflegeeltern für inklusive Pflegeverhältnisse gewonnen und dauerhaft unterstützt werden können. 

Referent*innen: Sorina Miers, Anne Weinhold

 

WS09 Welche Strukturmerkmale begünstigen Pflegefamilien? 

Interkommunale Vergleiche zeigen, dass sich die Unterbringungsquoten in Pflegefamilien deutlich unterscheiden. Im Workshop soll die Frage diskutiert werden, welche Faktoren eine hohe Unterbringungsrate in Pflegefamilien begünstigen. Dazu werden Ergebnisse einer Recherche aus dem Rheinland und aus Baden-Württemberg vorgestellt, die erste Einblicke in Wechselwirkungen zwischen Strukturmerkmalen der regionalen Pflegekinderhilfe und den Unterbringungsquoten ermöglichen. Diese Zusammenhänge sollen im Workshop diskutiert und hinsichtlich der Handlungsoptionen einer erweiterten Pflegekinderhilfe ausgewertet werden. 

Referent*in: Klaus Wolf | Moderation: Maike Förster

 

WS 10 Pflegefamilien mit Migrationshintergrund 

Pflegefamilien mit Migrationshintergrund sind so unterschiedlich wie alle Familien und zugleich eröffnen sie besondere Perspektiven. Dieser Workshop lädt dazu ein, Pflegekinderhilfe vielfältig zu denken und zu gestalten. Im Mittelpunkt stehen der Alltag von Pflegefamilien, in dem kulturelle Identität, Sprache und Religion aufeinandertreffen, sowie das Aufwachsen von Kindern in mehreren Kulturen. Gemeinsam gewinnen wir mehr Handlungssicherheit im Umgang mit religiöser Vielfalt, Mehrsprachigkeit und interkultureller Kommunikation. Wir sprechen offen über Unsicherheiten, Vorbehalte und Missverständnisse – und darüber, was man fragen darf. Der Workshop macht sichtbar, welche spezifischen Kompetenzen Familien mit internationaler Geschichte mitbringen und wie diese als wertvolle Ressource genutzt werden können. Ziel ist es, Kindern ein Zuhause zu geben, das ihre Geschichte achtet und ihre Zukunft stärkt. 

Referent*innen: Julian Folke, Kerem Tugcu 

 

WS11 Welche Bedeutung haben andere Hilfen zur Erziehung für die Pflegekinderhilfe? 

Der Workshop soll sensibilisieren für die Berührungspunkte zwischen Pflegekinderhilfe und anderen Unterstützungsformen der Hilfen zur Erziehung. Es erscheint nicht sinnvoll, die Pflegekinderhilfe als autarkes System zu betrachten, sondern zu fragen, ob es nicht möglich ist, das Wissen und die Infrastruktur aus unterschiedlichen Systemen nutzbar zu machen oder mit der Pflegekinderhilfe zu verknüpfen – auch um Pflegeeltern zu entlasten.  

Im Workshop wird zunächst der Frage nachgegangen, welches Wissen zur Unterstützung der Pflegekinderhilfe aus empirischen Daten gewonnen werden kann. Anschließend soll es in der Diskussion um Modelle und Praxisbeispiele gehen, in denen die Pflegekinderhilfe kombiniert mit einer anderen Hilfe zur Erziehung gedacht und umgesetzt wird. Die Teilnehmenden können und sollen ihre Erfahrungen und Konzepte zur praktischen Vertiefung einbringen. 

Referentin: Dr. Liane Pluto | Moderation: Josef Koch, Elisabeth Schmutz